Reaktion: ADAC sieht keine Notwenigkeit für eine Kennzeichenpflicht von Fahrrädern!

Mein Kommentarzur Kennzeichenpflicht für Fahrräder hatte ich an den ADAC und den ADFC gesendet. Der Fahrrad-Club hat dies bisher still zur Kenntnis genommen. Entgegen meiner Erwartung hat sich der ADAC sehr klar zu diesem Thema positioniert. Folgende Antwort erhielt ich vom Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.:



"Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V am 30.10.2018:

Hallo Paul,

der zitierte Kommentar begründet gut, weshalb Kraftfahrzeuge stärker reguliert werden (Zulassung, Hauptuntersuchung, Versicherungspflicht) als nicht motorisierte Verkehrsmittel. Die Betriebsgefahr und die Fremdgefährdung eines motorisierten Fahrzeugs sind deutlich höher. Eine allgemeine Versicherungspflicht für Fahrräder oder Fahrradfahrer besteht nicht. 

Der ADAC empfiehlt grundsätzlich den Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung. Übliche Privathaftpflichtversicherungen decken Schäden ab, die man als Fußgänger oder Radfahrer verursacht. Ein Versicherungskennzeichen ist dafür nicht erforderlich. Im Zusammenhang mit Fahrrädern erscheint es auch sachgerecht, dass die Versicherung auf die Person, nicht auf das Fahrzeug bezogen ist. Dadurch ist jede Fahrt mit jedem beliebigen Fahrrad versichert. 

Neben dem Nachweis der Versicherung (wie beim Kleinkraftrad) könnte ein Kennzeichen vor allem dazu dienen, den Eigentümer eines Fahrrades im Zusammenhang mit einem Verkehrsverstoß zu identifizieren. Im Gegensatz zum Kfz-Verkehr gibt es jedoch keine standardisierten Messverfahren, um Verkehrsverstöße von Radfahrern zu erfassen und zu dokumentieren. Verstöße müssen immer augenscheinlich erkannt werden. 

Die Anhaltekontrolle durch die Polizei mit unmittelbarer Belehrung und ggf. Bußgeld erscheint in diesem Zusammenhang pädagogisch wesentlich sinnvoller, als die postalische Zustellung eines Bußgeldbescheides – mit Auskunftsersuchen, wer denn wohl der Fahrer des Fahrrades war? Bei Nichtauskunft – Fahrtenbuchauflage für Fahrräder? Manche Verkehrsteilnehmer wünschen sich, dass sie mit Hilfe eines Kennzeichens allfällige Verkehrsverstöße von Fahrradfahrern selbst anzeigen können. Die Verkehrsüberwachung ist jedoch eine hoheitliche Aufgabe, die i.d.R. durch die Polizei und in bestimmten Fällen durch Ordnungsämter wahrgenommen wird. Ein Verkehrsteilnehmer kann zivilrechtlich nur klagen, wenn er von einem anderen geschädigt wurde. 

In Summa ergibt sich für den ADAC keine Notwenigkeit für eine Kennzeichenpflicht von Fahrrädern. 

Viele Grüße"


Ein so klare Aussage gegen die Kennzeichenpflicht hätte ich nicht erwartet. Hut ab lieber ADAC!
PS: Selbstverändlich habe ich den ADAC gefragt, ob ich dies veröffentlichen darf! Ich darf. :-)





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